Warum ich es leid bin, Blogger zu sein.

Eigentlich bin ich gerne Blogger gewesen. Es macht mir eigentlich Spaß, zu schreiben, Fotos zu machen und neue Dinge auszuprobieren. Ich hatte Spaß daran, neue Outfits zu probieren und sie zu zeigen. Spaß daran, Sachen zu zeigen, die mir Spaß machen. Eigentlich… und doch bin ich es leid, Blogger zu sein.

Wie kommt’s? Ich kann viele Dinge aufzählen, wie dass die Konkurrenz enorm ist. Man unter den vielen anderen Blogs unter geht. Das Bloggen viel Arbeit ist. Und viel Geld kostet. Und Nerven. Und Zeit. Aber das wusste ich auch schon davor und das noch auszuführen bringt sowieso nichts. Manch einer würde hierzu sagen: Selber schuld, du wusstest ja, worauf du dich da einlässt. Stimmt ja auch irgendwie.

Doch warum bin ich nun das Bloggen doch leid, obwohl ich vor ein paar Monaten noch ein Post dazu geschrieben habe, wie man niemals damit aufhören wird?

kaboompics.com_Wooden Keyboard Orée on the Wooden Desk

Ich bin nicht perfekt.

Und das werde ich auch wohl nie sein. Ich lebe nicht besonders interessant, ich habe keinen besonders interessanten Beruf und habe keine Hobbies, die ich exzessiv und leidenschaftlich genug auslebe, um darüber berichten zu können. Ich trage fast jeden Tag das gleiche Make-Up, habe keine ausgefallene Frisuren, kaufe mir selten neue Klamotten und trage auch oft mal die gleiche Kombination an Kleidungsstücken. Trends entdecken tue ich gerne, doch eher so „ich gehe ins DM und schaue es mir an“ statt „ich kaufe es sofort um als erste davon berichten zu können“.

Ich kann nicht online und offline gleichermaßen leben.

Das Internet hat sich verändert. Es ist nicht nur E-Mails checken, Posts schreiben, Blogs lesen und gut ist. Nein, das Internet hat jetzt auch Instagram, SnapChat, Pinterest, Twitter und und und zu bieten und all das muss man als gut gepflegter Blogger benutzen, um jede Ecke und Winkel seines Lebens auszuleuchten und zu „dokumentieren“. Und wenn es beim ersten Mal oder beim 273. Mal nicht annähernd perfekt aussieht, wird das eben nochmal gemacht.

Wenn man seine gesamte Zeit darauf verwendet, um im Internet eine Fassade zu halten, dann bleibt nichts mehr übrig vom echten Leben, echtes Essen, echte Menschen, echte Life-Fails, echte Erfahrungen. All das fällt weg, solange man nicht ein Lebens-Akrobat ist und den Spagat zwischen beidem halten kann. Aber wer ist das schon?

Ich bin es leid, so zu tun.

Wie sagt man? Fake it till you make it. So scheint ja die neue Devise im Social Net. Genau das bin ich leid. Perfekt, immer präsent, am besten ein Vorbild, aber mindestens eine Inspiration sein. Immer zufrieden sein. Mit dem Leben im Einklang. Immer mit einer Universal-Lösung für alle Lebensumstände und Probleme bewaffnet das Leben meistern, um es dann im Internet zu zeigen. Oder zumindest nur so tun, als ob.

Irgendwann konnte ich es nicht mehr. Wenn ich glücklich war, zufrieden und selbstsicher mit mir und meinem Körper, war es einfach. Aber an Tagen, an dem man an sich, seine Ideale und sein Können zweifelt, trotzdem noch so zu tun als ob alles perfekt wäre ist schwierig, verdammt schwierig. Denn ich lüge nicht nur meine Leser, das Internet oder die ganze Welt an, sondern vor allem mich. Und das macht kaputt.

Wer bin ich und wenn ja, wie lange?

Menschen ändern sich, genauso ändere ich mich. Die Ideale und Motivation, die ich habe um meinen Blog zu vertreten und zu führen, ändern sich mit der Zeit. Die letzten zwei Jahre habe ich versucht, meinen Blog zu manifestieren, ihm eine klare Richtung zu geben oder wie ich damals dachte: Meinen Blog erwachsen werden.

Nun merke ich, dass ich mir damit nur eine eigene Fallgrube gegraben habe, in der ich nun selber drin stecke. Ich bin nicht mehr die, die ich war und noch nicht die, die ich sein werde. Ich bin ich im Wandel mit der Zeit, aber vor allem bin ich in der Gegenwart, die heute doch ganz anders aussieht als die vor zwei Jahren.

Es gibt keinen Grund, sich zu versteifen.

Denn so wie ich wird sich mein Blog immer wieder ändern, neue Richtungen einschlagen und vielleicht genau so werden wie ich es nie wollte. Was zählt ist was ich heute aus diesem Blog mache. Denn er ist schon lange ein Stück von meinem Leben geworden, ein Begleitwerk zu mir. Statt mich zwanghaft zu ändern um ihm gerecht zu werden, sollte ich ihn ändern.

Nun: Warum ich es leid bin, Blogger zu sein? Weil ich manchmal Gedanken über mich und meine Entwicklung machen und auch mal für mich schwere Entscheidungen treffen muss – die eventuell nicht jedem gefallen werden.

Ich hoffe, ich habe euch mit meinem Gedanken-Kasper nicht erschlagen. Wir lesen uns hoffentlich bald wieder!

heart Mira

image via kaboompics

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Comments

  1. Antworten

    Hallo Mira,

    Puh, ich dachte das wird jetzt sowas wie ein Abschiedspost forever. Ich verstehe dich und das Internet überrollt einen momentan. Nicht nur mit Fake Leben von manchen, sondern auch das ständige present sein ist mehr als anstrengend. Ich finde es interesssnter wenn ein Blog sich mit dem Blogger ndert, ist doch auch im Leben so. Wir alle ändern uns mit der Zeit. Mach dir deshalb wirklich keinen allzu großen Kopf und genieße das offline Leben
    Liebe Grüße

  2. Antworten

    Wunderbar philosophisch ausgedrückt.
    Gemau das gehört abdr eben auch zum bloggen dazu, sich zu fragen wie weit man sich bereit ist zu verändern für die klicks im blog oder wo man dem leser einfach sagt „friss oder stirb aber so isses“.
    Das ist doch gerade der vorteil den wir Blogger gegenüber den medien haben, da eir überwiegend nicht oder nur zum teil von dem blog leben sind wir nicht vom Wohl der Anzeigenkunden und dem Tsgesaktuellen Blutdruck des Verlegers bzw dem Aktienkurs des mutterkonzerns abhängig ob wirs uns erlauben können, zu sagen was wir denken das gesagt werden muss.

    Bleib unbequem, bleib Authentisch …. bleib vorsllem Herrin deines Blogs und nicht Dienerin oder gar Hohepriesterin der heiligen Klicks.
    Dann bist du eine bloggerin die keinen grund hat es leid zu sein.
    Ach und die Leser denens nicht schmeckt wie du DEINEN Blog weiterführst … denen wünschst ganz lieb und freundlich bei allem Respekt ne gute Reise und nen schönes Leben …. ohne dich und deinen Blog.

  3. Antworten

    Ich bin Blogger, von Montags morgens bis Freitags Mittags. Das Wochenende gehört mir, meinem Mann, meinen Katzen. So geht es auch ☺
    Aber ich kann es verstehen, ich war gerade am Anfang auch der Sklave der Medien. Mittlerweile haben sich meine Prioritäten geändert. Und meine Leser bleiben mir dennoch treu. Im gegenteil, ich muss jetzt nicht mehr hinter jedem Follower her hechten. Und ich denke das ich dadurch Authentisch bin.

    Greatz
    nettie

  4. Antworten

    Liebe Mira,
    dein Beitrag ist wunderbar und so verdammt schön ehrlich und authentisch. Klasse! Deinen Mut, um deine Gedanken so mitzuteilen ist besonders und großartig. Du erschienst mir fast unnahbar mit deinem perfekten Blog und deinen besonderen Beiträgen, aber jetzt bist du mir ein Stück näher gerückt und auf jeden Fall in meinem Herzen.

    Ich habe Freude daran alle Entwicklungen zu sehen und ich lese gern von deinen Hochs, aber auch von deinen Tiefs. Ich freue mich darauf, dass du bist wer du bist. Konkurrenz ist groß, ja, dass erlebe ich mit meinem kleinen Bücherblog ebenso, aber auch mein Ziel ist es, einfach gegen den Mainstream dass zu machen was mir Freude macht und nur dadurch bleibt man ein Ich.

    Herzlichst,

    Nisnis

  5. Antworten

    Wunderschön geschrieben liebe Mira und ich glaube du sprichst da einigen aus der Seele.
    Vor ein paar Tagen habe ich mich noch dabei ertappt, wie ich gedacht habe: Hätte ich gewusst, dass sich das alles so entwickelt, hätte ich es noch mehr genossen, so wie es damals war.

    Früher war es noch mehr diese Community, diese Gemeinschaft, da man etwas miteinander teilte. Heutzutage ist man nur noch wichtig, wenn die Zahlen stimmen.

    Gerade im Moment läuft es bei mir drunter und drüber und ich habe lange überlegt ob ich darüber schreiben soll – es soll immer perfekt wirken, überall auf allen Netzwerken und man fängt an sich selbst etwas vorzutäuschen.

    Auch wenn ich nicht häufig kommentiere liebe Mira, lese ich dich gerne und fände ich es schade, wenn du das Bloggen sein lässt. Du gehörst zu den Bloggern, die für mich zum „wahren Stamm“ gehören. Du hast so vieles bewirkt in der Blogosphähre, mit Copy Paste Love so vielen Anfängern geholfen und du bist einfach talentiert, hast einen Blick fürs Schöne und einfach du selbst.

    Ganz ehrlich? Ich hab so langsam das ganze perfekte Gehabe überall satt und da bin ich froh, dass es noch Blogger gibt wie dich!

  6. Antworten

    Ein wundervoller Artikel und ich kann so viele Punkte nachvollziehen, denn es geht mir gerade genauso! Dieser Trend zum fake Blogger ist einfach unglaublich und ich selber denke oftmals was bringt es diesen Menschen? Was ist der Sinn und Zweck dahinter immer online zu sein? Ich habe halt die Hoffnung, dass sich authentische Blogs einfach irgendwann mal durchsetzen :) Deinen finde ich auf jeden Fall unglaublich toll und bin immer wieder gerne :)

  7. Antworten

    Der Text hat mich berührt, weil ich mich in vielen Teilen wiederfinde. Oftmals habe auch ich das Gefühl, nicht gut genug zu sein, für die Bloggerwelt, weil ich kein Hochglanzblogger bin. weil ich keine cleane Einrichtung habe, die ich fotografieren kann. Weil ich mehr Figur habe, als andere Plus-Size-Blogger und dazu noch einen gewöhnungsbedürftigen Stil. Aber ich habe mich entschieden, ich selbst zu bleiben und nicht mitzumachen bei dieser perfekten heile-Welt-Blase. Ich bin wie ich bin. Die anderen, die alle gleich sind, sind sind austauschbar.

  8. Antworten

    Ein wunderbarer Text mit einer wirklich traurigen Wahrheit. Es ist wirklich so, dass sich das Bloggen extrem verändert hat. Alles muss immer perfekt sein, bloss keine Schwäche zeigen und nichts zählt mehr als die Followerzahlen.
    Es ist schade, dass sich das Bloggen so sehr verändert hat. Dabei ist es doch eigentlich gerade das „Alte“, dass ich so gerne lese.
    Normale Menschen, mit einem ebenso langweiligen Leben wie ich, bei denen ebenfalls nicht alles perfekt ist und man auch mal an seine Grenzen kommt. Berichte über normales Make up, aus dem dm und dem Müller und keine Highendmarken bis zum umfallen, die sich kein Schwein leisten kann.

    Ich lese deinen Blog noch nicht sehr lange, aber er ist einer der Blogs, den ich immer wieder gerne lese. Es wäre schade, wenn du ganz aus unseren Timelines verschwinden würdest, ich könnte es aber durchaus nachvollziehen, da mir der selbe Gedanken auch öfters einmal durch den Kopf schwirrt.

    liebe Grüsse

  9. Antworten

    Dann hör doch auf zu bloggen. Nerv. Immer diese Menschen, die mit nichts zufrieden sind und immer nur motzen, statt zu schaffen. Hatte dich eigentlich anders eingeschätzt.

  10. Antworten

    Erst durch deinen Facebookpost auf diesen Artikel aufmerksam geworden, muss ich dir in erster Linie wiedersprechen.

    Natürlich ist es schwer sich selbst zu finden, man selbst zu sein und auch schwere Tage zuzulassen, aber niemand zwingt dich eine Scheinwelt aufrecht zu erhalten. Schreibe in erster Linie über das was dich beschäftigt und nicht über das was andere gerne lesen wollen! Du bist gut so wie du bist und Talfahrten gehören zu unser aller Leben dazu. Berichte also doch lieber von deinen Gedanken zu dem Wandel deiner Person, anstatt dich zum hundertsten Outfitpost zu zwingen, der zumindest mich nicht interessiert!

    Beste Grüße,
    Laura

  11. Antworten

    […] von MiraDilemma hat einen Post darüber geschrieben, dass sie es leid ist Blogger zu sein. Beim Lesen habe ich ganz oft genickt, stumm zugestimmt und manchmal geschmunzelt. Ich […]

  12. Antworten

    bei mir kommen oft ähnliche gedanken auf
    ABER ich habe beschlossen, ganz allein für mich zu bloggen
    auf eine art und weise wie es MIR taugt.
    denn ich habe einen festen job und bin in keinerweise finanziell an meinen blog gebunden.
    es ist meine spielwiese :)

  13. Antworten

    Ich denke du hast deine Gedanken / bestimmten haben andere Leute den gleichen Gedanken/ sehr gut in Worte gepackt und veröffentlicht!

    Doch der Satz : Ich bin nicht perfekt. Der stört mich, alle sind perfekt. Wer hat den überhaupt eine Definition für Perfekt? Was heute für einen perfekt ist, ist morgen für einen Schrott.
    Keine Ahnung, aber dieser Satz störte mich beim lesen irgendwie sehr..!

    X, Meltem

  14. Antworten

    Perfekt geschrieben!
    Und ich bin froh, dass der „menschliche Blogger“-Typ noch existiert. ;)
    Dadurch, dass ich mich lange aus der Blogger Welt zurück gezogen habe, dachte ich bei meiner „Rückkehr“ wirklich: „Was zum Teufel ist hier los? Alle so „perfekt“, „makellos“, „vorbildlich“ und so verändert…“ ^^ Um so mehr freue ich mich, wenn ich auf manchen Blogs (wie auch hier bei dir) so welche Gedankengänge entdecke, die eben genau diese Menschlichkeit hinter der „perfekten Fassade“ zeigen… :)

    LG,
    Tani

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